Gründung und Wiederaufbau
Der Musikverein Wolsfeld wurde im Jahr 1926 als Feuerwehrkapelle gegründet. Die ersten Schritte waren bescheiden: Ein Helikon und eine B-Tuba wurden von einem Altwarenhändler gekauft, während andere Musiker auf Kämmen mit Pergamentpapier musizierten. Die Begeisterung war dennoch groß – der erste Auftritt zur Kirmes brachte stolze 500 Mark ein, was zur Finanzierung weiterer Instrumente führte.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein zu einem festen Bestandteil des Dorflebens. Doch 1937 wurde der Verein aufgelöst, da er in eine SA-Kapelle umgewandelt werden sollte. Erst 1948 wagte man einen Neubeginn – oft mit autodidaktischer Ausbildung: Ein Junge bekam ein Bariton, lernte die Tonleiter und wurde aufgenommen.
Führungswechsel und Persönlichkeiten
Die Vereinsführung war stets geprägt von Kontinuität und Engagement. Nach Wilhelm Neu, der den Verein über 40 Jahre leitete, übernahmen Theo Ersch und später Paul Schaefer, der den Verein ab 1967 über Jahrzehnte prägte. Unter seiner Leitung wurde der Verein neu strukturiert, musikalisch weiterentwickelt und organisatorisch gestärkt. Seit 1992 führt Markus Dahm den Verein in die nächste Generation.
Auch auf musikalischer Seite gab es prägende Persönlichkeiten: Peter Schaefer, langjähriger Dirigent, wurde später zum Ehrendirigenten ernannt. Sein Sohn Thomas Schaefer übernahm ab 1990 die musikalische Leitung. Weitere Dirigenten wie Heinz Rose und Manuel Kops trugen zur Vielfalt und Qualität bei.
Musikalische Entwicklung
Die musikalische Entwicklung des Vereins ist eng mit der Zusammenarbeit mit dem Städtischen Orchester Trier und der Kreismusikschule Bitburg-Prüm verbunden. Diese Kooperationen führten zu einem deutlichen Qualitätsanstieg und ermöglichten die Teilnahme an Wertungsspielen, bei denen der Verein regelmäßig Bestnoten erzielte.
Ein besonderer Meilenstein war die Produktion der Schallplatte "Blasmusik unter der Dorflinde", die das musikalische Können dokumentierte. Der Aufbau eines Jugendorchesters sicherte die Zukunft des Vereins und brachte zahlreiche Talente hervor – darunter Martin Schaefer, der als Landessieger im Schlagzeug bei "Jugend musiziert" ausgezeichnet wurde.
Konzerte und Veranstaltungen
Die Frühjahrskonzerte des Musikvereins sind seit Jahrzehnten ein kultureller Höhepunkt in Wolsfeld. Sie ziehen ein großes Publikum an und bieten ein abwechslungsreiches Programm – von klassischer Blasmusik bis zu modernen Arrangements.
Das Dorffest, das jährlich im Burghof stattfindet, ist ein weiteres Highlight. Es umfasst Burgkonzerte, Auftritte von Tanzgruppen, Kirchenchören und Gastvereinen. Besonders erwähnenswert sind die Musikfeste mit Kapellen aus Bayern (Kissing), Frankreich (Prouvy) und Ostdeutschland (Kromsdorf), die den Verein weit über die Region hinaus bekannt machten.
Ein besonderes Zeichen der Solidarität setzte der Verein 1991 mit einem Konzert für die Angehörigen von Soldaten im Golfkrieg – ein musikalischer Ausdruck von Mitgefühl und Gemeinschaft.
Kulturelle Projekte & Highlights
In Zusammenarbeit mit dem Jugendchor Messerich und der Tanzgruppe Messerich entstand ein beeindruckendes Musicalprojekt auf der Bitburger Air Base. Über 8500 Zuschauer sahen fast 20 Aufführungen. Die Produktion war geprägt von selbstgemachten Kostümen, eigener Choreografie und einem hohen Maß an Eigenleistung. Vier Generationen wirkten mit – ein starkes Zeichen für den sozialen Zusammenhalt im Dorf.
Unter dem Motto "Sind wir allein?" verband der Verein Musik mit Wissenschaft. Werke wie Star Wars, Amazing Grace und Der Barbier von Sevilla wurden in eine erzählerische Rahmenhandlung eingebettet. Eine begleitende Ausstellung zeigte Beiträge von Persönlichkeiten wie Harald Lesch, Ulf Merbold, Klaus Wowereit und Jacques Berndorf. Die Technikgruppe präsentierte Bilder und Videos auf Leinwand – ein multimediales Erlebnis, das Musik und Forschung vereinte.
Vereinsheim und Infrastruktur
Ein wichtiger Schritt in der Vereinsgeschichte war der Umbau eines Schultrakts zum Gemeinde- und Vereinshaus im Jahr 1991–1992. Über 6.000 Stunden Eigenleistung wurden erbracht, um Räume für den Musikverein, den Kirchenchor, die Feuerwehr und Jugendgruppen zu schaffen. Die Planung übernahm Paul Schaefer gemeinsam mit Regine Trierweiler – ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement und nachhaltige Infrastrukturentwicklung.
Anekdoten und Humor
Der Musikverein Wolsfeld ist nicht nur musikalisch aktiv, sondern auch kreativ und humorvoll. So entstand die satirische Vereinszeitung "Glotzi", in der etwa die "Wolsfelder Kabinenbahn" eingeweiht wurde. Auch das "Kurblatt" sorgte für Heiterkeit – mit der fiktiven Ernennung Wolsfelds zum Luftkurort.
Eine beliebte Anekdote erzählt von einem Trompeter, der stets falsch spielte. Um ihn nicht zu verärgern, machte man ihn zum Dirigenten – und plötzlich klang der Verein besser. Die SWF-Radiosendung "Schäferstündchen" widmete sich der musikalischen Familie Schaefer, die den Verein über Generationen hinweg prägte.
Wolsfelder Geschichtsstunde
Seit 1974 ist die Wolsfelder Geschichtsstunde fester Bestandteil des Dorffestes. Jedes Jahr wird ein neues Thema behandelt – von der Zeit Karls des Großen über die Reformation bis zur Dorfgeschichte anhand von Bauwerken. Referenten wie Dr. Peter Neu, Prof. Matthias Zender und Pater Reinhard Vitt bereicherten die Veranstaltungen mit fundierten Vorträgen. Die Einnahmen dienen der Dokumentation der Dorfgeschichte und der musikalischen Ausbildung.
Abschließende Gedanken
Der Musikverein Wolsfeld ist weit mehr als ein Klangkörper – er ist ein kultureller Träger, ein sozialer Treffpunkt und ein lebendiges Stück Dorfgeschichte. Mit seiner Mischung aus Tradition, Innovation und Gemeinschaftssinn hat er sich über Jahrzehnte hinweg einen festen Platz im Herzen der Region erarbeitet.